15. September 2026
Die Hochglanzwelt der KI-Creator
Fast jede Woche erscheint ein neues KI-Tool, das angeblich alles verändert. Und jedes Mal entsteht derselbe Eindruck: Standardabo abschließen, den richtigen Prompt eingeben und schon produziert man beeindruckende Filme, perfekte 3D-Modelle oder sogar ein komplettes AAA-Game in der Unreal Engine.
Viele Creator zeigen allerdings ausschließlich ausgewählte Szenen, funktionierende Kamerawinkel oder nur die allerbesten Sekunden ihres Outputs. Nicht gezeigt wird: verworfene Generationen, stundenlange Korrekturen, verbrauchte Tokens, die Stellen, an denen das Ergebnis schlicht nicht funktioniert, das unspielbare Slop-Spiel voller Bugs.
Aber hey schaut mal, der Charakter kann springen!! Und der hyperrealistische Hintergrund hat sogar Tiefenschärfe und ääh Nebel!!
Natürlich kann KI heute beeindruckende Ergebnisse erzeugen. Und natürlich lässt die Unreal Engine vieles sofort hochwertig aussehen. Eine schöne Grafik und sich bewegende Assets sind aber noch lange kein funktionierendes Spiel.
Wer etwas Eigenständiges statt generischem AI Slop entwickeln möchte, braucht weiterhin Kenntnisse in Bereichen wie:
- 3D-Modelling und Animation
- Game Design
- Storytelling
- UI und UX
- Art Direction
- Programmierung und technische Integration
- konsistente Gestaltung
- Fehleranalyse und Qualitätskontrolle
Auch bei 3D Assets gibt es keine magische Ein-Abo-Ein-Klick-Lösung. Manche Tools generieren echte 3D-Modelle anhand eines Referenzbildes. Andere legen das Bild lediglich mehr oder weniger überzeugend um eine Form. Das Ergebnis sieht aus einem bestimmten Winkel vielleicht gut aus, wird aus anderen Perspektiven aber schnell zu einem matschigen Durcheinander.
Fehlerhafte Symmetrie, unbrauchbare Rückseiten, unsaubere Topologie, chaotische UV-Maps au der Hölle und unlogische Designdetails verschwinden in einem editierten Tiktok Video, dass nur 10 Sekunden lang ist und nur 2 Sekunden Gameplay am Stück zeigt.
Gerade auf TikTok und YouTube begegnen mir außerdem immer wieder gesponserte Beiträge, in denen neue KI-Tools als Revolution präsentiert werden. Teilweise bezeichnen sich Creator dabei als 3D-Artists und erklären mäßige Ergebnisse für „unglaublich beeindruckend“, während erfahrene Menschen aus der 3D-Community sofort die massiven technischen Probleme erkennen und keineswegs beeindruckt sind.
Ja, das Tool hat „etwas“ in 3D erstellt, das ungefähr wie das Referenzbild aussieht. Das ist spannend. Aber es ist kein sauberes, produktionsfähiges Asset.
KI kann Prozesse enorm beschleunigen. Sie ersetzt aber nach wie vor nicht automatisch Erfahrung, Fachwissen, Geschmack und die Fähigkeit, Fehler überhaupt zu erkennen.
Lasst euch deshalb nicht von perfekt kuratierten Werbeclips und Trailern täuschen. Fragt nicht nur: „Was wird mir gerade eigentlich gezeigt?“
Seht ihr kurze Ausschnitte die schön zusammengeschnitten wurden? Oder seht ihr tatsächlich funktionierende Mechanics?